13.10.2017 | Welthungerhilfe

Wie Ungleichheit Hunger schafft

Welthungerindex 2017
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Der Welthunger-Index (WHI) 2017 zeigt langfristige Fortschritte in der Reduzierung des Hungers in der Welt. Diese Fortschritte waren allerdings ungleich verteilt. Nach wie vor leiden Millionen von Menschen unter chronischem Hunger, und an vielen Orten herrschen akute Nahrungskrisen und gar Hungersnöte.

Laut den WHI-Werten 2017 ist der Hunger weltweit gegenüber 2000 um 27 Prozent gesunken. In einem der 119 Länder, die im diesjährigen Bericht bewertet werden, ist die Situation als „gravierend“ einzustufen; sieben Länder entsprechen auf der WHISchweregradskala der Kategorie „sehr ernst“. Nur in 43 Ländern sind die Werte „niedrig“. 9 der 13 Länder, für die nicht ausreichend Daten vorliegen, um den WHI 2017 zu berechnen, geben nach wie vor Anlass zur Besorgnis. Dazu gehören Somalia, Südsudan und Syrien.

Um die verschiedenen Dimensionen des Hungers zu erfassen, basiert der WHI auf vier Indikatoren: Unterernährung, Auszehrung bei Kindern, Wachstumsverzögerung bei Kindern und Kindersterblichkeit. Die erwähnte Verbesserung um 27 Prozent gibt die Fortschritte wieder, welche die Länder mit WHI-Werten laut aktueller Daten von 2012 bis 2016 in Bezug auf jeden dieser Indikatoren gemacht haben:

Der Anteil der Unterernährten an der Gesamtbevölkerung liegt bei 13 Prozent gegenüber 18,2 Prozent im Jahr 2000.

27,8 Prozent der Kinder unter fünf Jahren sind wachstumsverzögert, im Jahr 2000 betrug dieser Anteil 37,7 Prozent.

9,5 Prozent der Kinder unter fünf Jahren sind ausgezehrt, im Jahr 2000 betrug dieser Anteil 9,9 Prozent.

Die Sterblichkeitsrate von Kindern unter fünf Jahren liegt bei 4,7 Prozent gegenüber 8,2 Prozent im Jahr 2000.

Im diesjährigen Essay untersucht Naomi Hossain, Forschungsmitarbeiterin am Institute of Development Studies, den Zusammenhang zwischen Ungleichheit, Macht und Hunger. Meistens leiden jene Menschen unter Hunger und Fehlernährung, die über die geringste soziale, wirtschaftliche oder politische Macht verfügen: darunter Frauen, indigene Völker, LandbewohnerInnen und Arme. Sie sind von Nahrungs- und Landwirtschaftspolitiken betroffen, haben aber kaum Mitspracherecht in Debatten, die von Regierungen, Unternehmen und internationalen Organisationen bestimmt werden. Die Rolle der Macht bei der Schaffung solcher Ungleichheiten im Ernährungssystem zu analysieren und allen BürgerInnen Räume für die Partizipation an Entscheidungsprozessen zuzugestehen, wird dazu beitragen, ernährungsbezogene Ungleichheiten zu beseitigen.

Um den Hunger unter den am stärksten Gefährdeten zu bekämpfen, bietet der Welthunger-Index 2017 deshalb Handlungsempfehlungen für die Beseitigung derartiger Machtungleichverteilungen sowie jener Gesetze, Politiken, Haltungen und Praktiken, die sie verschärfen und verstetigen. Wenn das Ziel „Zero Hunger“ bis 2030 erreicht werden soll, müssen nationale Regierungen, der Privatsektor, die Zivilgesellschaft und internationale Organisationen jetzt handeln.